Erneuerbare Energien und nachhaltiges Energiemanagement im modernen Hausbau

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Der moderne Hausbau und die Architektur unterziehen sich wie viele andere Branchen einem digitalen Wandel. Heute geht es nicht mehr nur darum, Stein auf Stein zu setzen, sondern es rücken andere, grüne und energiesparende Varianten des modernen Hausbaus in den Fokus.

Zum technologischen Fortschritt in Bezug auf erneuerbare Energien und nachhaltiges Energiemanagement im modernen Häuserbau haben wir mit Henning Schulz, Leiter Unternehmenskommunikation, Presse und PR von STIEBEL ELTRON GmbH & CO. KG, gesprochen.

Seit fast 100 Jahren entwickelt und produziert das niedersächsische Unternehmen STIEBEL ELTRON Produkte auf technisch höchstem Niveau. Mittlerweile ist das Unternehmen einer der weltweit führenden Hersteller im Bereich Haus- und Systemtechnik.

Hausbau

Wärmepumpen sind die Heiztechnik der Zukunft. Längst sind sie die umweltfreundlichste Art der Wärmeerzeugung im Gebäude. Bild: Stiebel Eltron GmbH

Herr Schulz, in wie weit haben erneuerbare Energien bereits heute Einfluss auf den modernen Häuserbau?

Neubauten, die keine Wärmepumpe als Heizungsanlage nutzen und stattdessen auf fossile Brennstoffe angewiesen sind, sind schon mit Fertigstellung hoffnungslos veraltet, das muss man so drastisch sagen. Die Nutzung von Umweltenergie über eine Wärmepumpenanlage für die Beheizung und Warmwasserbereitung ist nicht nur Stand der Technik, sie ist auch die wirtschaftlichste Möglichkeit, die aktuellen energetischen Vorgaben des Staates zu erfüllen. Die Pflicht zur Einkopplung erneuerbarer Energien ist das eine, das andere ist die Bewertung des Gebäudes im Energieausweis – was schon heute und erst recht in den nächsten Jahren immer größeren Einfluss auf den Wert der Immobilie haben wird. Mit einer Wärmepumpen-Heizungsanlage – egal, ob im Einfamilienhaus, im Geschosswohnungsbau oder in Industriegebäuden – fällt der Investor immer die richtige Entscheidung.

Wie sind für die STIEBEL ELTRON GmbH & Co. KG die Motive Nachhaltigkeit, Sicherheit und Komfort in der Immobilienbranche miteinander vereinbar?

Mit effizienten und qualitativ hochwertigen Warmwasserlösungen sind wir seit Jahrzehnten bei Planern und Investoren und im Immobilienbereich bekannt. Und spätestens mit dem Siegeszug der Wärmepumpe als Heizungsanlage, der vor einigen Jahren begann, werden auch unsere Lösungen für die gesamte Haustechnik immer öfter eingesetzt. Wärmepumpen-Heizungsanlagen sind effizient, zuverlässig, umweltschonend und garantieren dank niedriger Betriebskosten jederzeit eine gute Vermarktbarkeit der Gebäude und Wohnungen. Idealerweise kommen zusätzlich Lüftungslösungen aus unserem Hause zum Einsatz, die den Wohnkomfort noch einmal deutlich erhöhen und gleichzeitig dank Wärmerückgewinnung Energie einsparen. Angesichts der aktuellen Fördermöglichkeiten lohnt sich für jeden Bauherrn und Investor diese Technik – im 9-Wohneinheiten-Neubau sind beispielsweise allein aus KfW-Mitteln, die früher oft verschmäht wurden, bis zu 216.000,- Euro Zuschuss möglich (pro Wohneinheit bis zu 24.000,- Euro).

Was hat Sie dazu motiviert den innovativen Energy Campus, ihr Schulungszentrum am niedersächsischen Hauptsitz, zu entwickeln?

Mit dem Energy Campus, unserem Ende 2015 eingeweihten Schulungs- und Kommunikationszentrum, haben wir das „Reallabor für die Energiewende“ gebaut. Wir schulen hier, am Stammsitz in Holzminden, pro Jahr weit über 10.000 Partner, vorrangig Fachhandwerker der Sanitär- und Heizungs- sowie der Elektrobranche. Außerdem informieren sich Architekten und Planer oderinteressierte Investoren und Bauherren hier vor Ort. Der Energy Campus präsentiert das perfekte Zusammenspiel der verschiedenen Haustechnik-Komponenten, bestehend aus Wärmepumpen-Heizungsanlage, die heizt und kühlt; PV-Anlage, die mehr Strom erzeugt, als das gesamte Gebäude überhaupt benötigt; Lüftungsanlagen und intelligentem Energiemanagement. Dazu kommen die hochmodernen Praxisräume mit verschiedensten Produkten in Funktion. Hier wird unsere „Technik zum Wohlfühlen“ erlebbar!

Welche Möglichkeit haben unsere Leser sich über aktuelle Fortschritte im Bereich nachhaltiges Energiemanagement zu informieren, Herr Schulz?

Der erste Schritt, insbesondere, wenn ein konkretes Projekt ansteht, ist die Kontaktaufnahme mit unseren Experten. Speziell für die Immobilenwirtschaft haben wir in ganz Deutschland hochqualifizierte Mitarbeiter auf der Straße, die einen Überblick über die aktuellen Möglichkeiten und Entwicklungen geben, aber auch ganz konkrete Lösungen für das individuelle Vorhaben erarbeiten.

Auf welches Projekt sind Sie besonders stolz?

Es gibt mittlerweile zahlreiche Projekte, bei denen unterschiedlichste Lösungen von STIEBEL ELTRON zum Einsatz kommen. Die Klimaschutzsiedlung in Greven im Münsterland beispielsweise: Das 2014 fertiggestellte Gebäudeensemble mit 58 hochwertigen Mietwohnungen in vier Mehrfamilienhäusern wird von drei Großwärmepumpen, die ihre Energie aus dem Erdreich beziehen, mit den benötigten 125 Kilowatt Wärme versorgt. Alle Einheiten sind mit Lüftungsanlagen ausgestattet, der Strom von der PV-Anlage wird wirtschaftlich attraktiv über die Wärmepumpen genutzt.

Oder ein Projekt in Würselen, das 2019 realisiert wurde: drei Mehrfamilienhäuser mit je neun Wohneinheiten sind entstanden.Das Besondere an diesem Projekt ist, dass die Grundrisse und insbesondere die Haustechnik je nach lokalen Gegebenheiten, wie zum Beispiel der Grundstücksbeschaffenheit, nahezu beliebig skaliert werden können, ohne dass dafür umfangreiche Neuplanungen erforderlich sind oder die Kosten pro Quadratmeter nach oben schnellen.

Möglich macht diese Skalierung insbesondere die verwendete Haustechnik: Pro Gebäude sorgt eine Kaskade aus zwei außen aufgestellten Luft-Wasser-Wärmepumpen WPL 25 A für die Wärmeerzeugung. Im Technikraum wird die Wärme in einem 1.500-Liter-Pufferspeicher bevorratet, aus dem sich wiederum Wohnungsstationen in jeder Einheit nach Bedarf bedienen, um den Raumwärme- und Warmwasserbedarf in der Wohnung zu decken. Wohnungsstation oder die dezentralen Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung sind wohnungsweise geplant und verbaut, so dass auch hier bei einer Skalierung keine Mehrkosten pro Einheit oder Quadratmeter anfallen.

Spannend ist auch das Bornheim Business Campus, kurz BBC, mit knapp 5.000 Quadratmeter Bürofläche sowie etwas mehr als 3.000 Quadratmeter Lagerfläche. Vier Luft-Wasser-Wärmepumpen WPL 57, die auf einem Teil des Flachdachs aufgestellt wurden, sind für die Beheizung zuständig, den geringen Warmwasserbedarf bedienen Durchlauferhitzer und Kleinspeicher, die natürlich ebenfalls von STIEBEL ELTRON kommen.

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Die Klimaschutzsiedlung Greven im Münsterland wird effizient von drei Großwärmepumpen mit Wärme versorgt. Bild: Stiebel Eltron GmbH

Ein Blick in die Zukunft: Wie sieht die Haustechnik von morgen aus?

Die Haustechnik der Zukunft ist die moderne Haustechnik von heute: Wärmepumpen werden sich weltweit als Heizungsanlagen, die auch kühlen können, durchsetzen. Das ist der natürliche Lauf der Dinge: Jede Wärmepumpe spart im Vergleich zum Öl- oder Gaskessel massiv CO2 ein. Das ist einerseits gut für die Umwelt, andererseits wird sich das in den nächsten Jahren immer stärker im Portemonnaie des Betreibers bemerkbar machen. Denn klar ist, dass Deutschland und Europa schnellstens wegkommen müssen vom Verbrennen fossiler Brennstoffe, nur um damit Wärme zu produzieren. Die völkerrechtlich bindenden Verträge, die Deutschland eingegangen ist, sehen hohe Strafzahlungen vor, wenn die CO2-Einsparungen nicht erreicht werden. Damit steht außer Frage, dass CO2-Emissionen durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe im Wärmebereich und im Mobilitätssektor – die ja nicht vom europäischen Zertifikatehandel betroffen sind – in den kommenden Jahren drastisch teurer werden müssen. Gleichzeitig muss der Strom, der als Antriebsenergie für die Wärmepumpen benötigt wird, in Deutschland endlich nachhaltig von einem Großteil der völlig widersinnigen Steuern, Abgaben und Umlagen entlastet werden. Das zukunftssichere Gebäude von heute verfügt also auf jeden Fall über eine Wärmepumpen-Heizung. Ob die auch die Kühlung übernimmt, ob Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung genutzt werden, ob eine PV-Anlage zum Einsatz kommt und die Energie intelligent gemanagt wird – all das sind Entscheidungen, die im individuellen Fall getroffen werden müssen.