Gold als sicherer Hafen: Interview mit Noble Metal Factory-Chef Ronny Wagner

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Turbulente Zeiten wie die aktuelle Covid-19 Krise halten uns klar vor Augen, dass sich unser Finanzsystem ständig ändert und regelmäßig angepasst werden muss. Währungen scheitern, Börsen crashen und Banken gehen pleite. Im Interview mit Ronny Wagner, Geschäftsführer der Noble Metal Factory OHG, wird deutlich, welche Grundsatzprobleme dafür verantwortlich sind und wie Gold als sichere Geldanlage für Jedermann vor Vermögensverlust schützen kann. 

Welche Risiken im aktuellen Finanzsystem können durch ein stärkeres Vertrauen in Edelmetalle minimiert werden?

Ich vertrete die Auffassung, dass unser heutiges Finanz- und Währungssystem ausschließlich auf Vertrauen basiert. Doch Vertrauen ist sehr empfindlich und kann leicht verloren gehen. Wenn es einmal verloren gegangen ist, ist es fast unmöglich, es wiederherzustellen. Die Geld- und Wirtschaftspolitik hat in den vergangenen Jahrzehnten das Vertrauen in das Geld zerstört. Die derzeit um sich greifende Finanzpanik wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Bankenpleiten, Rezessionen, Börsenschließungen infolge von Börsencrashs, Kontensperrungen, Bargeldabschaffung etc. führen. Das Ergebnis wird zwingend eine verheerende Inflation und damit einhergehend die massive Zerstörung von Wohlstand sein. Mit Gold lässt sich das Vertrauen wiederherstellen. Für mich entscheidend ist die Tatsache, dass physisches Gold außerhalb des fragilen Finanzsystems gehalten wird und damit die Abhängigkeit vom Geldsystem minimiert wird. Menschen schlafen besser, wenn sie wissen, dass sie etwas Gold besitzen. Falls oder wenn alles andere in sich zusammenbricht, wird Gold noch immer unbestrittenen Wohlstand von Armut abgrenzen.

Wie kann finanzielle Bildung bei der Lösung von gesellschaftlichen Problemen wie Armut helfen? 

Das Ziel finanzieller Bildung ist die Beseitigung von Armut. Armut ist schlicht die Abwesenheit von Wohlstand und global gesehen die Normalsituation der Menschheit. Direkt von der Hand in den Mund lässt sich nur in kleinen Teilen der Welt leben. Meist braucht es Kapital, um zu überleben. Dieses Kapital bestimmt über den Wohlstand. Es ist jedoch knapp. Kapitalbildung funktioniert nur, wenn gegenwärtiger Konsum eingeschränkt wird. Nur so lassen sich Ersparnisse aufbauen. Es ist die einzige Möglichkeit nachhaltigen Wohlstand zu erschaffen. Menschen können sich heute aufgrund der Fragilität unseres Finanzsystems Dummheit in Geldfragen einfach nicht mehr leisten. Eigenverantwortung bei der Vermögensbildung ist wichtiger denn je aufgrund des Versagens der Mechanismen des Wohlfahrtsstaates, der Erosion der gesellschaftlichen Grundordnung und dem drohenden Bankrott des Sozialstaates.

Bildquelle: Noble Metal Factory OHG

Welche Vorteile bieten Edelmetalle gegenüber anderen Geldanlagen wie zum Beispiel Immobilien oder ETFs?

Physisches Gold ist in meinen Augen kein klassisches Investment und daher auch nicht mit Immobilien oder ETF´s zu vergleichen. Bei diesen Anlageformen steht die Erzielung einer Rendite im Vordergrund. Natürlich kann man mit Gold auch Rendite einfahren, wenn man beispielsweise Gold zu 1000 US-Dollar kauft und später für 2.000 US-Dollar verkauft. Doch sollte das bei einem Goldinvestment nicht das oberste Ziel sein. Was uns heute im Finanzsystem fehlt ist eine universelle Währung und vor allem ein stabiler Wertmaßstab. Wir bewerten Finanzprodukte mit einem Wertmaßstab, der den Namen eigentlich nicht verdient. Denn Papiergeldwährungen, die ständig verwässert werden, sind kein geeigneter Wertmaßstab. Man kann als Handwerker auch keinen Zollstock verwenden, der ständig verkürzt wird. Damit ist kein Messen und vor allem vergleichen möglich. Doch das machen wir, wenn wir Finanzanlagen bewerten. Wir benutzen einen Wertmaßstab, der sich ständig verändert. Eine Währung hat die Aufgabe, Kaufkraft sicherzustellen. Leider sind die heutigen Papiergeldwährungen aufgrund ständiger Inflationierung nicht dazu in der Lage, Kaufkraft effizient zu speichern. Die Abwesenheit von Gold als Grundbestandteil eines Währungssystems ist heute einzigartig in der Menschheitsgeschichte. Die letzte Goldwährung, der Schweizer Franken wurde 1998 abgeschafft. Doch ich bin mir sicher, dass Gold diese Funktion in Zukunft wieder übernehmen wird. Andere Edelmetalle, wie Silber, Platin und Palladium sind erstklassige Investments. Angebotsknappheit und politische Krisen werden in Zukunft zu steigenden Preisen bei diesen Edelmetallen führen. Damit stehen diese Rohstoffe auf meiner Einkaufsliste ganz oben.

Was unterscheidet Gold als Geldanlage von anderen Edelmetallen?

Wie bereits gesagt, ist Gold kein klassisches Investment. Man sollte kein Gold kaufen, weil man Geld machen möchte. Es ist die stabilste Währung mit einer konstanten Kaufkraft seit Jahrhunderten. Viele Menschen sehen Gold als Fluchtwährung bei kollabierenden Papiergeldwährungen. Gold bietet einen Versicherungsschutz gegen Finanz- und Währungskrisen. Man sollte den Preis nicht als Barriere betrachten, sondern als Anreiz. Je höher der Goldpreis steigt, um so prekärer ist die Situation im Finanzsystem. Der Goldpreis zeigt, ähnlich einem Fieberthermometer, Probleme im System an. Denn man sollte sich immer vor Augen halten, dass sämtliches oberirdisch vorhandenes physisches Gold auf alle Menschen auf diesem Planeten verteilt, für jeden Erdenbewohner 25 Gramm ergibt. Gold kann nicht beliebig vermehrt werden. Demnach ist es sehr wichtig, das Gold physisch zu besitzen und nicht auf zukünftige Ansprüche auf Gold in Form von Fonds oder Zertifikaten zu setzen. Denn Ansprüche auf Gold können beliebig vermehrt werden. Hier gibt es keine Grenze. Natürlich bedeutet das, dass im Fall der Fälle nicht jeder Anspruch auf Auslieferung von physischem Gold befriedigt werden kann. Das Risiko, in Zukunft kein Gold zu besitzen ist größer, als das Risiko, Gold zu besitzen.

Wie schätzen Sie die Zukunft des Goldes ein?

Eine Unze Gold kostete 2001 etwa 271 Dollar. Zehn Jahre später erreichte es 1.896 Dollar, eine Zunahme von fast 700 Prozent. Auf seinem Weg dorthin durchlief es die stürmischsten Zeiten der jüngeren Geschichte. Banken kollabierten und Währungen erzitterten. Der Goldpreis profitierte von diesen Ereignissen. Es ist die simpelste Geldanlage in einer Zeit, in der Finanzprodukte wie Subprime-Hypotheken, Kreditausfallversicherungen oder Derivateprodukte den Bach runter gingen, weil diese von vornherein viel zu kompliziert waren, um sie überhaupt zu verstehen. Demgegenüber erstrahlte Gold in bekannter Tradition. Es wird von den Menschen wertgeschätzt über die letzten Jahrhunderte. Es ist der Standard des Wohlstandes, das ursprüngliche Geld und ein sicherer Hafen. Der Wert des Goldes ist unumstößlich. Es ist der stabilste Vermögenswert der Natur. Es entwickelt sich immer dann besonders gut, wenn andere Vermögenswerte im Laufe der Zeit den Bach heruntergehen. Voltaire bemerkte, dass Papiergeld früher oder später immer zu seinem inneren Wert, welcher Null ist, zurückkehrt. Dann muss der Goldpreis zwangsweise in dieser schrumpfenden Papierrecheneinheit früher oder später gegen unendlich steigen. Die Kaufkraft einer Unze Gold bleibt unabhängig vom Wertverfall der Papierwährungen langfristig konstant. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.