Ob Flugzeugtriebwerk oder Thermoelemente – nichts geht ohne Rhenium
Im April dieses Jahres trafen sich Rohstoffproduzenten und -händler aus aller Welt zu einer Konferenz in Toronto. Der auf Technologiemetalle spezialisierte Finanzmarktanalyst und Geschäftsführer einer Metallhandelsgesellschaft, Andreas Kroll, erläutert in einem kurzen Interview die wichtigste Erkenntnis dieses Treffens. Das Technologiemetall Rhenium wird knapp!
Ganz vorne in der Preisentwicklung in diesem Jahr liegen Germanium mit 22 %, Indium mit 28 % und Gallium mit 33 %. Das sind schon ordentliche Zahlen, aber da geht noch was. Wir stehen erst am Anfang einer wohl jahrelangen Hausse. Wir kommen bei den Preisen von einem sehr niedrigen Niveau und Rohstoffe sind im Verhältnis zu Aktien extrem unterbewertet.
Die Rezessionsängste sind sicherlich nicht ganz unbegründet. Wir erleben zumindest in den USA einen doch recht deutlichen Zinsanstieg. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, ist sicherlich mit einem steilen Anstieg bei den Unternehmenspleiten zu rechnen. Auch Handelskriege dürften Fahrt aus der dynamischen Wirtschaftsentwicklung nehmen. Die sehe ich aber nicht als real an. Die Gefahr geht für mich rein von der Zinsentwicklung aus. Erfolgt diese zu rasant nach oben und ist nicht mehr durch die FED einzufangen, wird es gelinde gesagt sehr ungemütlich. Aber den Investoren sei gesagt: Technologiemetalle sind in diesem Umfeld mit einer der stabilsten Anlageobjekte.
In einer Rezession verlieren die meisten Assetklassen an Wert. Die Märkte die bereits heute sehr teuer sind, natürlich am meisten. Und das sind eben alle anderen Märkte außer dem der Rohstoffe. Aktien, Anleihen und Immobilien, alles Sektoren, die nahe historischen Hochs notieren. Rohstoffe notieren nahe an historischen Tiefs. Darüber hinaus hat die nächste Krise das Potential alle anderen in den Schatten zu stellen. Dann wird es wichtig sein, echte, unverschuldete Substanz im Depot zu haben. Aber was beschließen Regierungen in einem Szenario wie diesem mit als Erstes? Infrastrukturprogramme, wie dem Breitbandausbau, Investitionen in Zukunftstechnologien usw. Es wird deutliche staatliche Zuschüsse für den Kauf von Automobilen geben, wie zuletzt 2009 in Deutschland während der letzten Krise. Diesmal allerdings für Elektro- und Hybridautos. Die Welt braucht Technologiemetalle.
Rhenium teilt mit Silber scheinbar ein Schicksal. Die Mehrheit der Analysten erwartet seit Jahren hier einen großen Preisausbruch nach oben, aber er kommt nicht. Unter den Technologiemetallen gibt es nur einige wenige, die vom Trendwechsel noch gar nicht profitieren konnten. Rhenium gehört dazu. Erst ging es zehn Jahre mit den Preisen bergab und seit einem Jahr sehen wir auf Dollarbasis eine Nulllinie auf niedrigem Niveau. Es passiert nichts, obwohl ja die Produktionskosten alleine auf Grund der gestiegenen Energiepreise schon deutlich angezogen sein müssten. Diese wurden aber an die Verbraucher bisher nicht weitergereicht. Der Kostendruck ging alleine zu Lasten der Hersteller und deren Margen. Da hatte ich anderes erwartet und war dementsprechend gespannt auf die neuesten Zahlen, die in Toronto vorgestellt wurden.
Kurz zu den Fakten. Die Primärproduktion bei Rhenium beträgt etwa 52 Tonnen pro Jahr. Aus Rückflüssen und Recycling stehen weitere 22 Tonnen jährlich zur Verfügung. Die Firma Codelco wird zukünftig etwa sechs bis sieben Tonnen zusätzlich auf den Markt bringen. Insgesamt beträgt das Angebot also um die 80 Tonnen. Betrachten wir nun die Nachfrage: Der größte Bedarf kommt aus der Flugzeugindustrie und hier steigt die Nachfrage rasant an, da für die Turbinen der neuesten Generation mehr Rhenium verbraucht wird als bei früheren Modellen. Bereits in zwei bis drei Jahren könnte die Nachfrage bei insgesamt über 100 Tonnen jährlich liegen. Dieser Verbrauch ist mit vorhandener Lagerware nicht zu decken. Ich bleibe bei meiner Position diesem Element gegenüber: Es ist derzeit, bezogen auf den Preis, vielleicht das unterbewertetste Metall überhaupt. Echte Knappheit droht und mit Preissprüngen muss jederzeit gerechnet werden.
Nur physisch bei einem Händler Ihres Vertrauens. Aber Achtung, beim Kauf kann man auch viel falsch machen. Man sollte im besten Fall komplette Chargen kaufen, da gibt es gute Rabatte und der Wiederverkauf an die Industrie ist unproblematisch. Fragen Sie Ihren Händler, ob er auch die nötigen Industriekontakte hat und beachten Sie die teilweise erheblichen Unterschiede bei den Lagerkosten.
Die sollten darauf achten, dass ihr Händler mit einem entsprechenden Lagerkonzept die Ansprüche der Industrie erfüllen und intern die Chargen zusammenhalten. Es gibt aber mittlerweile auch Produktanbieter, die monatliche Kaufbeträge akzeptieren. Oft schon ab 50 Euro.
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