Gold hat einen außergewöhnlich schwankungsreichen Jahresverlauf hinter sich. Nach einem Rekord von mehr als 5.500 US-Dollar je Feinunze fiel der Preis zeitweise unter 4.000 US-Dollar. Nun mehren sich wieder die Argumente für steigende Kurse – ein Selbstläufer ist die nächste Rally allerdings nicht.
Der Goldpreis lag am Montag bei rund 4.055 US-Dollar je Feinunze. Im Juli verzeichnete das Edelmetall erstmals seit 5 Monaten wieder ein Monatsplus, blieb nach dem deutlichen Rückgang vom Januarrekord auf Jahressicht aber im Minus.
Zentralbanken bleiben die stärkste Stütze
Im 2. Quartal kauften Notenbanken weltweit netto rund 289 Tonnen Gold. Damit erreichte ihre Nachfrage wieder ein Niveau, das für die vergangenen Jahre typisch war. Zugleich zogen Anleger 45 Tonnen aus börsengehandelten Goldfonds ab. Der Markt wird derzeit also stärker von langfristigen staatlichen Käufern als von westlichen Finanzinvestoren getragen.
Viele Zentralbanken wollen ihre Reserven breiter aufstellen und die Abhängigkeit vom US-Dollar verringern. Solche Käufe erfolgen meist nicht aufgrund kurzfristiger Kursziele und können den Goldpreis deshalb auch in schwächeren Marktphasen stützen.
Die Zinsen bleiben der entscheidende Faktor
Gold wirft keine laufenden Zinsen ab. Je höher die Renditen sicherer Staatsanleihen steigen, desto größer werden seine Opportunitätskosten.
Die US-Notenbank hielt ihren Leitzins Ende Juli bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Drei Mitglieder stimmten bereits für eine Erhöhung. Sollte die Inflation hoch bleiben und die Federal Reserve ihre Geldpolitik weiter straffen, könnte das Gold erneut belasten.
Umgekehrt würden schwächere Konjunktur- oder Arbeitsmarktdaten, sinkende Renditen und ein fallender Dollar das Edelmetall attraktiver machen. Genau diese Kombination ließ den Preis zu Wochenbeginn wieder steigen.
Neue Krisen könnten die Nachfrage zurückbringen
Auch geopolitische Schocks bleiben ein möglicher Kurstreiber. Das World Gold Council hält in einem Szenario bei schwächerer Wirtschaft, niedrigeren Zinserwartungen oder erneuter Unsicherheit wieder Kurse um 4.500 US-Dollar oder darüber für möglich.
Die Organisation betont allerdings ausdrücklich, dass es sich dabei nicht um eine feste Prognose handelt. Bei robustem Wachstum, steigenden Renditen und ruhigeren Märkten könnte Gold ebenso weiter nachgeben.
Hohe Preise bremsen die reale Nachfrage
Der hohe Goldpreis hat bereits Folgen. Die Schmucknachfrage sank im 2. Quartal auf den niedrigsten Stand seit der Pandemie. Auch die Nachfrage nach Barren und Münzen fiel gegenüber dem sehr starken Vorquartal deutlich zurück.
Das zeigt die Grenze jeder Hausse: Je teurer Gold wird, desto mehr Käufer warten ab oder reduzieren ihre Mengen. Für weitere deutliche Kurssteigerungen müssten Finanzinvestoren wieder stärker zurückkehren oder Zentralbanken ihre Käufe noch einmal ausweiten.
Was bleibt
Die langfristigen Argumente für Gold sind nicht verschwunden: hohe Staatsschulden, geopolitische Unsicherheit, Zentralbankkäufe und der Wunsch nach Währungsdiversifikation.
Kurzfristig hängt die Richtung jedoch vor allem an Zinsen, Dollar und Anlegerstimmung. Fallen die Renditen oder eskaliert eine neue Krise, kann Gold wieder deutlich zulegen. Bleibt die US-Geldpolitik streng, könnte die Seitwärtsbewegung länger dauern.
Gold bleibt damit ein Sachwert zur Absicherung – aber keine Wette mit garantiertem Ausgang.
SK