Rohstoffe

Die stillen Verlierer des Nahost-Schocks – wer leidet gerade wirklich?

3 Min.

03.03.2026
Splitbild: Wüste mit Ölförderung (links), David Bader (rechts)
Ein Gastbeitrag von David Bader-Egger
Wenn Märkte auf Iran/Israel/USA reagieren, wirkt es auf den ersten Blick wie »Panik«. In Wahrheit ist es meist eine Kettenreaktion: Energie → Inflation → Zinsen → Bewertungsmultiples → Risikoprämien. Der Trigger ist dabei nicht die Schlagzeile, sondern der Engpass.

Der Engpass heißt Hormus und er ist kein Detail

2024 flossen durch die Straße von Hormus im Schnitt 20 Mio. Barrel Öl pro Tag, rund 20 Prozent des globalen Petroleum-Liquids-Verbrauchs. Wenn diese Route operativ oder versicherungstechnisch »zäh« wird, wird Energie teurer und damit Kapital.

Verlierer #1: Reise, Freizeit, Airlines – die »Fuel-Hebel« im Depot

Bei Energie-Schocks werden Branchen abgestraft, deren Kostenbasis direkt am Treibstoff hängt und die Preiserhöhungen nur verzögert durchsetzen können. Genau das sieht man aktuell: Reisewerte/Fluglinien stehen unter Druck, während Öl und Diesel anspringen. Viele »günstige« Airline-Aktien sind in solchen Phasen keine Value-Chance, sondern eine Wette auf sinkende Inputkosten.

Verlierer #2: Banken und zyklisches Europa (wiedermal), wenn Risikoaufschläge steigen

Europa ist in Stressphasen oft der »Risk-Off-Spielball«: Banken werden wegen Kreditzyklus-Sorgen und Risikoaufschlägen verkauft, Travel/Leisure zusätzlich wegen Nachfragerisiken. Reuters berichtet für Europa von deutlichen Rücksetzern, Banken und Travel besonders schwach. Das ist weniger ein Urteil über Geschäftsmodelle, mehr ein Reflex der Risikoprämie.

Verlierer #3: Anleger, die reflexartig »Bonds = sicher« setzen

Krisen erzeugen oft »Flight to Safety«. Der Haken: Ein Nahost-Energie-Schock ist potenziell stagflationär, also inflationär bei gleichzeitig schwächerem Wachstum. In solchen Phasen können Renditen steigen (Inflationssorge), statt zu fallen. Reuters/WSJ beschreiben genau dieses Dilemma: Öl hoch, Inflationserwartungen hoch, Renditen ziehen an. In genau solchen Setups ist Duration-Risiko real, Cash/kurze Laufzeiten können »sicherer« sein als lange Bonds.

Verlierer #4: Unternehmen ohne Puffer – Working Capital, Refinanzierung, Covenants

Wenn Energie- und Logistikkosten steigen, trifft es Firmen mit dünnen Margen, hohem Working-Capital-Bedarf und kurzfristigen Refinanzierungen. Das ist der Teil, den private Anleger unterschätzen, weil er nicht in einer Headline steht: Liquidität + Fälligkeiten + Kreditmarge.

Verlierer #5 (die Überraschung): Logistik & War-Risk-Versicherung

Hier wird es konkret: Reuters berichtet, dass aufgrund der Eskalation War-Risk-Deckungen teils gekündigt wurden und Prämien innerhalb von 48 Stunden von 0,2 Prozent auf 1 Prozent des Schiffswerts sprangen; gleichzeitig liegen rund 150 Schiffe im Gebiet fest bzw. warten. Das ist kein »Versicherungs-Detail«, das ist Kostenrealität für Handel, Rohstoffe und Industriegüter.

Was Anleger jetzt prüfen sollten (statt News zu »handeln«)

  • Input-Kosten-Sensitivität: Energie/Fracht/Versicherung
  • Pricing Power: Können Kosten weitergegeben werden und wie schnell?
  • Bilanz-Robustheit: Zinsdeckung, Liquidität, Fälligkeiten
  • Szenario-Puffer: Wie viel »falsches Timing« überlebt das Unternehmen?

Fazit

Die härtesten Schmerzen treffen nicht »alle«, sondern jene Portfolios, die stillschweigend auf billige Energie, niedrige Zinsen und reibungslose Lieferketten gebaut sind.

(Keine Anlageberatung)
Der Autor:
David Bader-Egger ist als Gründer von Stockanalyzer (gehört wie das SACHWERT Magazin zur Backhaus Mediengruppe), Warren-Buffett-Experte sowie als Autor mehrerer Bücher bekannt.

Beitragsbilder: Depositphotos / ssuaphotos, wirtschaft tv, Annalena Haslinger

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