Panorama

49 Goldbarren unter dem Kellerboden

Bauarbeiter entdecken in Belgien einen Schatz im Wert von rund 9 Millionen Euro – nun beginnt die Suche nach seinem Besitzer

5 Min.

16.08.2026

Eigentlich sollten auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei nur neue Abwasserleitungen verlegt werden. Dann stößt ein Bohrer auf Metall. Was zunächst nach gewöhnlichen Münzen aussieht, entpuppt sich als Schatz: 49 Goldbarren und Hunderte historische Goldmünzen im geschätzten Wert von rund neun Millionen Euro. Nun liegt das Gold in einem staatlichen Hochsicherheitstresor – und niemand weiß bislang sicher, wem es gehört.

Ein Ferienjob mit ungewöhnlichem Fund

Entdeckt wurde das Gold im belgischen Dendermonde bei Bauarbeiten auf dem Grundstück einer früheren Brauerei. Zu dem Arbeitsteam gehörte der 18-jährige Student Kobe, der dort einen Ferienjob machte. Als die Männer beim Verlegen von Leitungen auf die ersten Stücke stießen, hielt er sie nach eigener Darstellung zunächst für gewöhnliche Münzen. Erst beim Weitergraben wurde klar, dass dort sehr viel mehr verborgen lag.

Am Ende dokumentierte die Polizei 49 Goldbarren sowie Hunderte Goldmünzen. Das gesamte Material wurde katalogisiert und anschließend in einen Hochsicherheitstresor des belgischen Staates gebracht. Die Ermittlungen zur Herkunft laufen.

Der Fundort macht die Geschichte noch interessanter. Die Villa wurde Ende des 19. Jahrhunderts für Theophilus Van Assche errichtet, dessen Familie auf dem Gelände eine Brauerei betrieb. Das Anwesen wird heute von der Sozialorganisation CAW Oost-Vlaanderen genutzt beziehungsweise umgebaut. CAW unterhält in Dendermonde Beratungs- und Hilfsangebote für Menschen in schwierigen Lebenslagen.

Wer hat das Gold dort versteckt?

Darauf gibt es bislang keine belastbare Antwort.

Der Fund war offenbar bewusst verborgen worden. Nach Berichten belgischer Medien befanden sich Teile des Schatzes in einem zugemauerten Bereich des Kellers. Die Staatsanwaltschaft muss nun zunächst klären, ob das Gold möglicherweise gestohlen wurde oder aus anderen illegalen Zusammenhängen stammt. Erst danach wird sich die Frage nach möglichen Eigentumsansprüchen endgültig beantworten lassen.

Als mögliche Anspruchsteller kommen mehrere Parteien infrage: Nachfahren der früheren Eigentümerfamilie, die heutige Eigentümerin beziehungsweise Nutzerin des Grundstücks und möglicherweise auch die Finder. Nach Angaben der belgischen Staatsanwaltschaft könnte daraus ein komplexer zivilrechtlicher Streit entstehen.

Der frühere Bürgermeister von Dendermonde, Piet Buyse, hält es jedenfalls für durchaus denkbar, dass das Vermögen ursprünglich der wohlhabenden Brauereifamilie gehörte und von ihr bewusst in Gold angelegt und verborgen wurde. Belegt ist diese Vermutung bislang nicht.

Ausgerechnet Gold überdauert die Jahrzehnte

Niemand weiß derzeit, wann genau die Barren und Münzen versteckt wurden. Sicher ist nur: Das Vermögen hat offenbar Jahrzehnte unbeschadet unter einem Gebäude überstanden.

Und genau darin steckt eine der Eigenschaften, die Gold seit Jahrhunderten zum klassischen Sachwert machen. Es verrottet nicht, ist weltweit handelbar und konzentriert einen hohen Wert auf sehr wenig Raum.

Ihr heutiger Wert liegt nach den Schätzungen rund um den Fund bei etwa neun Millionen Euro. Diese Größenordnung hängt selbstverständlich vom aktuellen Goldpreis sowie vom Wert einzelner historischer Münzen ab. Der Goldpreis liegt 2026 deutlich über 4.000 US-Dollar je Feinunze und damit auf einem historisch sehr hohen Niveau.

Der unbekannte Besitzer konnte kaum vorhersehen, wie viel das Gold einmal wert sein würde.

Dass das Vermögen überhaupt noch existiert, überrascht dagegen wenig.

Der 18-Jährige ging leer aus – vorerst

Bemerkenswert ist auch, was nach dem Fund nicht geschah.

Kobe und seine Kollegen steckten weder einzelne Münzen ein noch versuchten sie, den Fund geheim zu halten. Sie informierten Arbeitgeber und Polizei. Der Student sagte später, bei einigen wenigen Münzen wäre die Versuchung vielleicht größer gewesen – bei dieser Dimension sei dagegen sofort klar gewesen, dass der Fund gemeldet werden müsse.

Ob die Arbeiter irgendwann einen Finderlohn oder sogar einen Anteil erhalten, ist offen.

Nach belgischen Medienberichten müssen mögliche frühere Eigentümer zunächst Gelegenheit bekommen, Ansprüche geltend zu machen. Bis die Herkunft geklärt ist, bleibt der komplette Schatz unter staatlichem Verschluss.

Eine kuriose Pointe hat die Geschichte trotzdem

Das Grundstück soll einem sozialen Zweck dienen.

Die Organisation CAW Oost-Vlaanderen unterstützt Menschen bei sozialen, finanziellen und persönlichen Problemen. Ausgerechnet bei Arbeiten an einem solchen Standort kommt ein verborgenes Millionenvermögen zum Vorschein.

Das macht aus dem Fund beinahe eine moderne Schatzgeschichte: Ein junger Ferienarbeiter gräbt einen Abwasserkanal, stößt auf Gold und bringt damit eine längst vergangene Familiengeschichte wieder an die Oberfläche.

Nur das klassische Ende fehlt noch.

Denn wem der Schatz am Ende tatsächlich gehört, ist weiterhin offen.

Stefanie S. Klief

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