Wie vor rund zwei Wochen berichtet, hat Japan ein spezialisiertes Tiefseeschiff zu einem Projekt entsandt, das darauf zielt, seltene Erden und strategische Metalle aus Tiefsee-Schlamm zu bergen. Heute lässt sich die erste bedeutende Zwischenbilanz ziehen: Die japanische Expedition hat nun tatsächlich erste Mengen dieser Rohstoffe erfolgreich gehoben, wie ein aktueller Bericht des Zeit-Wirtschaftsressorts meldet.
Die Bergung konzentriert sich auf Rohstofflagerstätten, die in den Tiefseegräben des Pazifiks liegen und hohe Konzentrationen von seltenen Erden sowie verwandten Metallen aufweisen. Diese Materialien – darunter Neodym, Dysprosium, Nickel und Kobalt – sind für moderne Technologien von zentraler Bedeutung. Sie werden benötigt für Elektromotoren, Hochleistungsmagnete, Batterien, Sensorik und Halbleiter, also Bauteile, die in erneuerbaren Energien, Elektrofahrzeugen und elektronischen Geräten unverzichtbar sind.
Die japanische Operation steht im direkten Zusammenhang mit globalen Bemühungen um Rohstoffsouveränität und Versorgungssicherheit. Lange Zeit war der Zugang zu seltenen Erden – oft als „technologische Schlüsselmaterien“ bezeichnet – stark über wenige Länder konzentriert, insbesondere über China. Mit dem Vorstoß in Tiefseebereiche will Japan neue, unabhängige Quellen erschließen und seine strategische Position in der globalen Lieferkette stärken.
Die jüngste Hebung gilt als technologischer und logistischer Fortschritt, der zeigt, dass Projekte, die lange als Zukunftsmusik galten, nun praktisch umsetzbar sind. Tiefsee-Bergbau war bislang vor allem wegen hoher technischer Herausforderungen, unklarer Umweltfolgen und regulatorischer Unsicherheiten heftig diskutiert worden. Japan geht hier einen Vorreiterweg, der auch internationale Debatten über die Nachhaltigkeit und Verantwortung solcher Operationen neu belebt.
Wichtig ist dabei: Der Abbau seltener Erden in der Tiefsee ist nicht mit klassischem Bergbau an Land zu vergleichen. Die Vorkommen bestehen in Form von Schlamm- und Sedimentschichten, die erst technisch erschlossen und aufbereitet werden müssen. Die jüngste Meldung über erste Hebungen beweist, dass diese Herausforderung technisch überwindbar ist – zumindest in einem Pilot- und Testumfeld.
Die Reaktionen auf diesen Erfolg sind geteilt: Befürworter sehen ihn als notwendigen Schritt zur Sicherung kritischer Rohstoffe, die durch steigende Nachfrage in erneuerbaren Energien, Elektromobilität und Hightech-Industrien immer knapper und strategisch wichtiger werden. Kritiker warnen vor möglichen ökologischen Risiken, da Eingriffe in empfindliche Tiefsee-Ökosysteme langfristige Auswirkungen haben können, die heute noch nicht vollständig verstanden sind.
Insgesamt markiert dieser Zwischenstand einen Moment, der sowohl wirtschaftliche als auch geopolitische Konsequenzen haben könnte:
Er zeigt die technische Machbarkeit tiefsee-basierter Rohstoffgewinnung und unterstreicht Japans aktive Rolle in der Diversifizierung globaler Lieferketten. Aber er wirft auch neue Fragen zur Zukunft der Rohstoffgewinnung im 21. Jahrhundert auf, die zwischen Effizienz, Versorgungssicherheit und ökologischer Verantwortung austariert werden müssen.
SK
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