In Deutschland ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum nach Einschätzung von Verbänden und Forschern weiter gewachsen. Nach jüngsten Befunden des sogenannten Sozialen Wohn-Monitors 2026 fehlen bundesweit rund 1,4 Millionen Wohnungen, wobei der Schwerpunkt auf preisgebundenem und sozialem Wohnraum liegt. Besonders betroffen seien junge Menschen, ältere Haushalte und Geringverdiener, die auf dem freien Wohnungsmarkt kaum geeignete Angebote finden.
Verbände wie der Deutsche Mieterbund, die IG Bau und weitere Mitglieder des Bündnisses »Soziales Wohnen« sehen strukturelle Defizite in der deutschen Wohnungspolitik. Sie weisen darauf hin, dass der Bestand an Sozialwohnungen seit Jahrzehnten deutlich gesunken sei, während der Bedarf beständig wachse. Ende der 1980er-Jahre gab es nach historischen Daten noch mehrere Millionen Sozialwohnungen, heute liege der Bestand bei deutlich niedrigeren Werten, was eine wachsende Lücke zwischen Angebot und Nachfrage erzeugt.
Neben dem allgemeinen Wohnraummangel gibt es erhebliche regionale Unterschiede: In Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Bayern fehlen Hunderttausende Wohnungen, während in strukturschwächeren Regionen der Sozialwohnungsanteil besonders gering ist. In Teilen Ostdeutschlands müssten laut aktuellen Studien Bestände sozialer Wohnungen zum Teil verneunfacht werden, um angestrebte Mindestquoten zu erreichen.
Die Bundesregierung hat essortübergreifend im Haushalt und in Neubauprogrammen Mittel für Wohnraumförderung vorgesehen, doch Kritikern zufolge reichen diese Maßnahmen nicht aus, um den drängenden Bedarf zu decken. Experten fordern vermehrt einen Bund-Länder-Pakt, um Planung, Bau und Finanzierung von Sozialwohnungen zu beschleunigen und langfristig verlässlich abzusichern. Dabei wird auch über eine verstärkte Nutzung kommunaler und genossenschaftlicher Wohnungsunternehmen diskutiert, die traditionell einen großen Teil bezahlbarer Wohnungen bereitstellen.
Parallel zeigen Daten, dass bundesweit nur etwa 200 000 neue Wohnungen pro Jahr gebaut werden, während der geschätzte Bedarf bei mehr als 400 000 pro Jahr liegt, was den Druck auf Mieten und Quadratmeterpreise weiter erhöht. Diese strukturelle Schieflage gilt inzwischen als einer der wesentlichen Engpässe im deutschen Wohnungsmarkt und als Hemmnis für Arbeits-, Familien- und Zuzugsentscheidungen.
SK
Beitragsbild: IMAGO / Hanno Bode
