Mit Silber nimmt die US-Behörde erstmals ein klassisches Edelmetall in die Liste Kritischer Rohstoffe auf. Gleichzeitig warnt sie vor gravierenden Folgen möglicher Lieferausfälle bei Rhodium. Der U.S. Geological Survey (USGS) hat den Entwurf seiner neuen Liste kritischer Rohstoffe veröffentlicht. Sie soll als Grundlage für zukünftige Strategien, Investitionen und Genehmigungsentscheidungen in den USA dienen. Insgesamt 54 Rohstoffe finden sich in dem Entwurf, darunter sechs neue Ergänzungen. Neu hinzugekommen sind unter anderem Silber und Rhenium. Dieser Vorschlag unterstreicht die wachsende Bedeutung von Edel- und Technologiemetallen. Silber hatte erst kürzlich ein historisches Preisniveau erreicht, der Stellenwert des Metalls im globalen Rohstoffmarkt steigt kontinuierlich.
Rhodium mit besonders hohem Versorgungsrisiko
Parallel zum Entwurf veröffentlichte der USGS einen Bericht, der ein neues Bewertungsmodell für Lieferkettenunterbrechungen enthält und die potenziellen wirtschaftlichen Auswirkungen auf die USA aufzeigt. Die zehn Mineralien mit dem größten wirtschaftlichen Risiko bei Versorgungsunterbrechungen, gewichtet nach Wahrscheinlichkeit, sind dabei: Samarium, Rhodium, Lutetium, Terbium, Dysprosium, Gallium, Germanium, Gadolinium, Wolfram und Niob.
Mit Ausnahme von Niob und Rhodium, ist die Produktion dieser Elemente stark auf China konzentriert. Da Peking seine Exportauflagen in den letzten Jahren mehrfach verschärft und dadurch Lieferungen ins Ausland eingeschränkt hat, stellt diese Abhängigkeit ein erhöhtes Risiko für US-Industrien dar, die auf eine stabile Rohstoffversorgung angewiesen sind.
Besonders hervorgehoben wird Rhodium. Bei einem vollständigen Ausfall der Versorgung durch die Platin-Minen in Südafrika könnte laut USGS ein Einbruch des US-Bruttoinlandsproduktes von 64 Milliarden US-Dollar entstehen. Durch die gewichtete Wahrscheinlichkeit reduziert sich der erwartete Effekt jedoch auf 2,5 Milliarden US-Dollar.
Edelmetallexperte Philipp Götzl-Mamba bei TRADIUM: »Dass Silber nun auf der US-Liste kritischer Mineralien steht, überrascht uns nicht. Wie kritisch Versorgungsengpässe bei Rhodium sind, hat uns bereits die Vergangenheit gezeigt. Das Metall findet seine größte Anwendung in Automobilkatalysatoren. Strengere Normen und eingeschränkte Lieferketten durch bspw. Corona oder Ukraine-Krieg haben das Metall in damals unbekannte Höhen getrieben. Zeitweise mehr als das Zehnfache gegenüber Gold. Daher ein deutliches politisches Signal seitens der US-Administration: Washington erkennt seine Abhängigkeit und strebt den Schutz der heimischen Wirtschaft durch Rohstoffsicherung an.«
Die Aufnahme von Silber in die Liste und die Einstufung von Rhodium mit einer kritischen Versorgungslage zeigen, dass die strategische Relevanz beider Metalle zunimmt. Für industrielle Abnehmer ist die Versorgungssicherheit daher ein Thema, das zunehmend in den Fokus rückt.
Quelle: Pressemitteilung TRADIUM
Beitragsbild: Depositphotos / robertohunger