Die USA werden bei seltenen Erden noch weit bis in die 2030er Jahre von China abhängig bleiben.
Noch bevor Donald Trump und Xi Jinping zu ihren politischen Gesprächen zusammenkamen, stand das erste wirtschaftliche Ergebnis des chinesischen Staatsbesuchs fest: Die USA und China verlängern ihre Zollpause um zwei Monate. Damit verhindern beide Seiten zunächst eine neue Eskalation ihres Handelskonflikts. Die schwierigeren Fragen bleiben allerdings auf dem Tisch.
Die Zollpause läuft jetzt bis Januar
Die bisher bis zum 10. November vereinbarte Handelsruhe soll bis zum 10. Januar 2027 verlängert werden. US-Finanzminister Scott Bessent bestätigte die Einigung nach mehreren Gesprächen mit Chinas Vizepremier He Lifeng. Beide Seiten wollen die zusätzliche Zeit nutzen, um über ein umfassenderes Handelsabkommen zu verhandeln.
Damit bleibt vorerst ein Teil jener zusätzlichen Zölle ausgesetzt, mit denen sich Washington und Peking seit 2025 gegenseitig überzogen hatten. Im Verlauf des Konflikts waren amerikanische Zusatzzölle auf chinesische Waren zeitweise auf bis zu 145 Prozent gestiegen, China reagierte mit Sätzen von bis zu 125 Prozent. Mehrere Verhandlungsrunden führten anschließend zu schrittweisen Waffenruhen im Handelsstreit.
Seltene Erden bleiben ein entscheidender Hebel
Hinter dem Zollstreit stehen längst weitere wirtschaftliche Konflikte.
Die USA wollen zuverlässigere Lieferungen seltener Erden und anderer kritischer Rohstoffe aus China erreichen. Peking wiederum kritisiert amerikanische Exportbeschränkungen für Hochleistungschips und andere Technologien. Gerade seltene Erden sind für zahlreiche Industrieprodukte von Elektroautos bis zu Rüstungstechnik von großer Bedeutung.
Auch künstliche Intelligenz spielt inzwischen eine größere Rolle. Vertreter beider Regierungen haben bereits einen weiteren Dialog über KI-Sicherheit vereinbart. Ein neues Treffen dazu soll innerhalb der kommenden zwei Monate in Shenzhen stattfinden.
Großer Empfang, schwierige Verhandlungen
Xi hält sich vom 23. bis 25. September in den USA auf. Es ist das zweite persönliche Treffen der beiden Präsidenten innerhalb eines Jahres und Xis erster Besuch in Washington seit mehr als einem Jahrzehnt. Trump begrüßte ihn persönlich bei seiner Ankunft im Raum Washington – eine für einen US-Präsidenten ungewöhnliche protokollarische Geste.
Am Donnerstag stehen Gespräche im Weißen Haus und ein Staatsbankett auf dem Programm. Erwartet werden dort unter anderem Führungskräfte großer amerikanischer Technologieunternehmen wie Apple, Nvidia, Alphabet und Amazon.
Neben den Wirtschaftsfragen gehören auch Taiwan sowie internationale Konflikte zu den Themen des Treffens. Gerade bei Taiwan liegen die Positionen weiterhin weit auseinander. Peking beansprucht die demokratisch regierte Insel für sich, während die USA Taiwan unter anderem mit Waffenlieferungen bei seiner Verteidigung unterstützen.
Die eigentlichen Ergebnisse stehen noch aus
Die Verlängerung der Zollpause verhindert zunächst, dass der Handelskonflikt im November erneut automatisch eskaliert. Ein umfassendes Handelsabkommen ist damit jedoch noch nicht erreicht.
Reuters beschreibt die Erwartungen an den Staatsbesuch entsprechend zurückhaltend: Vieles dürfte zunächst auf Stabilisierung und politische Symbolik zielen, während grundlegende Interessengegensätze zwischen den beiden größten Volkswirtschaften bestehen bleiben.
Die wirtschaftlich wichtigeren Entscheidungen könnten deshalb erst in den kommenden Tagen und Wochen folgen – etwa bei Zöllen, Rohstofflieferungen, Technologieexporten und möglichen neuen Handelsvereinbarungen.
Stefanie S. Klief