Rohstoffe

Gold verliert seinen Krisenglanz

Die Deutsche Bank senkt ihre Prognose deutlich und sieht bei weiteren Fed-Zinserhöhungen Rückschlagpotenzial bis 3.800 Dollar

4 Min.

25.06.2026

Gold galt lange als Gewinner von Krieg, Inflation und Unsicherheit. Nun kippt die Stimmung am Markt: Die Deutsche Bank hat ihre Prognose deutlich gesenkt und warnt vor weiterem Abwärtsdruck. Entscheidend ist nicht mehr die geopolitische Lage, sondern die Frage, wie lange die US-Notenbank die Zinsen hoch hält.
 

Deutsche Bank wird vorsichtiger

Die Deutsche Bank hat ihre Goldpreis-Prognose deutlich gesenkt. In ihrem Basisszenario erwartet das Institut für das vierte Quartal nun einen Goldpreis von 4.800 Dollar je Feinunze. Sollte der Markt jedoch drei bis vier weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank einpreisen, könnte der Preis nach Einschätzung der Bank bis auf 3.800 Dollar fallen.

Damit vollzieht die Bank einen klaren Stimmungswechsel. Noch vor wenigen Monaten dominierten geopolitische Risiken, hohe Ölpreise und Inflationssorgen die Goldfantasie. Nun rücken wieder klassische Makrofaktoren in den Vordergrund: Realzinsen, Dollarstärke und Erwartungen an die Geldpolitik.

Zinsen schlagen Geopolitik

Gold wirft keine laufenden Erträge ab. Steigen die Zinsen oder bleiben sie länger hoch, wird das Edelmetall im Vergleich zu Anleihen und Geldmarktanlagen unattraktiver. Genau diese Logik belastet den Markt derzeit.

Reuters meldete, dass der Goldpreis am 24. Juni unter die Marke von 4.000 Dollar je Feinunze fiel. Grund waren ein stärkerer Dollar und die Erwartung, dass die Federal Reserve wegen anhaltender Inflationsrisiken länger restriktiv bleibt oder sogar erneut anhebt.

Für Gold ist das ein unangenehmer Mix. Ein starker Dollar macht das Edelmetall für Käufer außerhalb des Dollarraums teurer. Höhere Zinsen erhöhen zugleich die Opportunitätskosten des Haltens von Gold.

ETF-Abflüsse und schwächere Asien-Nachfrage

Zusätzlicher Druck kommt von den Finanzinvestoren. Laut Deutsche Bank sind die Bestände goldgedeckter ETF auf ein Jahrestief gefallen. Auch am Terminmarkt bleibt die Positionierung schwach; das offene Interesse liegt dem Bericht zufolge auf dem niedrigsten Stand seit 17 Jahren.

Gleichzeitig zeigen sich in wichtigen asiatischen Märkten Bremsspuren. In China hat sich der frühere Preisaufschlag gegenüber dem Weltmarkt in einen Abschlag verwandelt, was auf schwächere Importe hindeutet. In Indien dürfte eine höhere Importsteuer die Nachfrage zusätzlich dämpfen.

Damit verliert Gold gleich mehrere Stützen: weniger Finanzzuflüsse, schwächere physische Nachfrage und steigende Konkurrenz durch verzinste Anlagen.

Der sichere Hafen ist nicht verschwunden

Trotzdem wäre es zu einfach, Gold nun abzuschreiben. Zentralbanken kaufen weiterhin Gold und stützen damit die langfristige Nachfrage. Außerdem bleibt das Edelmetall ein Absicherungsinstrument gegen geopolitische Krisen, Währungsrisiken und Vertrauensverluste in Staatsfinanzen.

Auch andere Häuser haben ihre Prognosen angepasst, bleiben aber nicht durchweg pessimistisch. Goldman Sachs senkte seine Goldpreis-Prognose für Ende 2026 zuletzt von 5.400 auf 4.900 Dollar. Das zeigt: Die Erwartungen werden vorsichtiger, aber der strukturelle Gold-Bullenmarkt ist damit noch nicht zwingend beendet.

Gold wird wieder zum Zinsgeschäft

Der eigentliche Nachrichtenwert liegt deshalb nicht allein in der gesenkten Prognose. Entscheidend ist der Regimewechsel am Markt. Gold wird derzeit weniger als Krisenversicherung gehandelt, sondern wieder stärker als makroökonomisches Zinsgeschäft.

Für Anleger bedeutet das: Wer Gold als Sachwert und langfristige Absicherung hält, muss kurzfristige Rückschläge aushalten können. Wer dagegen auf weiter steigende Preise spekuliert, braucht wahrscheinlich eine geldpolitische Entlastung – also schwächere Inflationsdaten, weniger Zinssorgen und wieder steigende ETF-Zuflüsse.

Gold glänzt weiter. Aber der Markt bezahlt diesen Glanz nicht mehr um jeden Preis.

SK

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