In Zeiten von steigenden Zinsen, steigenden Preisen und weitreichenden demografischen Veränderungen in Deutschland ist jeder weitere Ratgeber hilfreich. Beim Investieren kommt es aber generell ja nicht auf die Masse an, sondern auf die Strategie. In unserem Buch zeigen wir geprüfte Strategien, die auf langfristiges erfolgreiches Investieren abzielen, das so sicher wie möglich ist.
Betrachtet man die inflationsbereinigte Rendite von Sparbüchern, so haben diese noch nie eine vernünftige Verzinsung erzielen können. Doch die meisten Menschen handeln beim Thema Geld nicht rational. In Zeiten nominal hoher Zinsen haben die meisten Menschen die Geldentwertung nicht direkt wahrgenommen. Sich mit Alternativen zum Sparbuch auseinanderzusetzen, wurde lange Zeit als nicht notwendig angesehen, Wissen in diesem Bereich nur selten aufgebaut. Vielen älteren Anlegern sitzt zudem die Dotcom-Blase in den Knochen. Die meisten Aktionäre gab es in Deutschland im Jahr 2000 – 9,7 Prozent waren damals in Aktien investiert. Wie wir heute wissen, folgte einer der größten Kursverluste in der Geschichte der Aktienmärkte. Die Deutschen haben sich von dem vorangegangenen Aufwärtstrend euphorisieren lassen. Wenn das dann kippt und Verluste auf dem Konto stehen, animiert das nicht gerade dazu, noch einmal loszulegen. Das ist emotional gut erklärbar.
Wir können es nicht oft genug betonen: Jedes Investment ist nur so gut wie die Strategie dahinter. Und Strategien bringen hier die Rationalität ins Spiel, die wir an der Börse brauchen, um erfolgreich zu handeln. Viele springen nur auf Trends auf, weil ihnen das Wissen fehlt. Das geht oft kurz gut, aber langfristig schief, weil wir bei kurzfristigen Erfolgen gerne risikofreudiger werden. Andersrum wird ein Schuh draus. Schritt eins: Ich informiere mich gut und wäge erst Strategien ab, tausche mich mit anderen aus. Ich muss verstehen, was ich da tue. Schritt zwei: Wenn ich weiß, in was ich warum investiere, dann kann es losgehen. Und der wichtigste Tipp: Jetzt gilt es, bei der Strategie zu bleiben. Das ist für viele erfahrungsgemäß der schwierigste Part.
Die beste Zeit, um damit zu beginnen, sich um die eigenen Finanzen zu kümmern, ist immer heute. Nur die Strategie muss an die jeweilige Situation angepasst werden. Wenn wir langfristig investieren, ist der Einstiegszeitpunkt aber auch fast egal. Das lässt sich sogar über Backtests belegen.
Ja, neue Plattformen erleichtern vielen den Zugang zu den Märkten und damit vielen Anlegern das Handeln mit Aktien, Anleihen und etlichen anderen Wertpapieren. Trading-Plattformen, Onlinebroker und Trading-Apps sind ein Werkzeug. Der Fortschritt bei diesen Dienstleistern ist richtig und nicht aufzuhalten. Darum sollte es aber auch nicht gehen. Viel wichtiger als die Plattform, über die man investiert, ist bei jeder Geldanlage die Arbeit vor dem Handeln. Wie bereits erwähnt, sich informieren, austauschen und Strategien abwägen. Hierauf sollte der Fokus liegen, denn Risiken entstehen vor allem durch Unwissenheit und Gier.
Aus unserer Sicht hat das Jahr 2021 einige Parallelen zu der Zeit der Dotcom-Blase. Viele Anleger haben sich in der Rally nach dem Coronacrash euphorisieren lassen und sind Anlagetrends buchstäblich hinterhergerannt, anstatt sich vor dem Einstieg an der Börse vernünftig fortzubilden. Generell ist jede Art von finanzieller Bildung so früh wie möglich sicher hilfreich. Außerdem sollten sich Privatpersonen nicht erst dann mit ihren Finanzen auseinandersetzen, wenn es durch äußere Umstände knapp wird. Viel besser und vor allem rechtzeitig ist es dann, wenn Geld zum Investieren übrig ist. Wir müssen lernen, dass Vermögensaufbau ein Langzeitprojekt ist und kein Wochenendprojekt.
»Sicher investieren« von
Mona Schnell, Nils Steinkopff
96 Seiten
Erschienen: August 2022
Gabal Verlag
ISBN: 978-3-96739-122-0