Die amerikanischen Zwischenwahlen am 3. November rücken näher. An den Prognosemärkten werden neue Mehrheiten im Kongress gehandelt. Doch was würde ein politischer Machtwechsel für den Goldpreis bedeuten? Eine aktuelle Analyse des World Gold Council zeigt: Entscheidend ist weniger das Wahlergebnis selbst als die Wirtschafts- und Finanzpolitik, die daraus folgt.
Goldpreis wieder über 4.000 Dollar
Nach deutlichen Verlusten zum Ende der vergangenen Woche hat sich der Goldpreis am Montag, dem 26. Oktober, zunächst wieder über die Marke von 4.000 Dollar je Feinunze geschoben. Am Spotmarkt wurden zeitweise rund 4.014 Dollar erreicht.
Zu den Einflussfaktoren gehörten sinkende Ölpreise und damit nachlassende Inflationssorgen. Gleichzeitig richtet sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf die bevorstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve.
Bereits wenige Tage später könnte ein weiteres Ereignis für Bewegung sorgen: Am 3. November finden in den Vereinigten Staaten die Zwischenwahlen zum Kongress statt.
In einer Analyse vom 22. Oktober hat der World Gold Council untersucht, welche Auswirkungen veränderte politische Mehrheiten auf das Edelmetall haben könnten.
Politische Blockade kann Gold helfen – oder schaden
Sollten die Demokraten die Mehrheit in einer oder beiden Parlamentskammern übernehmen, könnte US-Präsident Donald Trump größere wirtschaftspolitische Vorhaben schwerer durchsetzen.
Das beträfe insbesondere neue Staatsausgaben und steuerpolitische Entscheidungen.
Eine Begrenzung zusätzlicher Schulden könnte das Vertrauen in amerikanische Staatsanleihen stärken und den Dollar stützen. Für Gold wäre das möglicherweise eine Belastung, da das Edelmetall keine laufenden Zinsen abwirft.
Allerdings könnte ein gespaltener Kongress gleichzeitig neue politische Unsicherheit auslösen.
Auseinandersetzungen über den Bundeshaushalt, gerichtliche Konflikte und ein verstärkter Rückgriff des Präsidenten auf Exekutivbefugnisse könnten die Nachfrage nach Gold als Absicherungsinstrument erhöhen.
Auch strengere Regulierung im Technologiesektor oder Veränderungen der geopolitischen Lage wären mögliche Einflussfaktoren.
Der World Gold Council sieht unter mehreren Szenarien deshalb durchaus Unterstützung für das Edelmetall. Eine automatische Kurssteigerung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Historisch zählt die Wirtschaftspolitik mehr als das Wahlergebnis
Die Organisation verweist auf eine wichtige historische Beobachtung: US-Wahlen hatten für sich genommen keinen konsistenten oder signifikanten Einfluss auf die Goldpreisentwicklung.
Entscheidender waren die nachfolgenden Veränderungen bei Inflation, Staatsfinanzen, Zinsen, Dollar und geopolitischen Risiken.
Das zeigte sich beispielsweise nach den Präsidentschaftswahlen 2016 und 2024. Auf anfängliche Marktreaktionen folgten teilweise gegenläufige Bewegungen, sobald die wirtschaftspolitischen Auswirkungen stärker in den Mittelpunkt rückten.
Auch für die bevorstehenden Zwischenwahlen bedeutet das: Selbst wenn die Finanzmärkte eine bestimmte politische Mehrheit bereits erwarten, sagt dies wenig über die spätere Goldpreisentwicklung aus.
Für Goldanleger beginnt die entscheidende Phase nach der Wahl
Ob das Edelmetall von den US-Midterms profitiert, wird wesentlich davon abhängen, wie sich die neue politische Konstellation auf Staatsverschuldung, Inflationserwartungen und Kapitalmarktzinsen auswirkt.
Hinzu kommt die Entwicklung des Dollars, in dem Gold international gehandelt wird.
Ein stärkerer Dollar und höhere reale Anleiherenditen können Gold belasten. Sinkende Zinsen, ein schwächerer Dollar oder zunehmende politische Unsicherheit können dagegen unterstützend wirken.
Für Goldanleger ist der 3. November deshalb weniger ein Termin mit eindeutigem Kurssignal als der Beginn einer neuen Phase wirtschaftspolitischer Erwartungen.
Ob daraus Rückenwind oder Gegenwind für das Edelmetall entsteht, dürfte sich erst mit den konkreten Entscheidungen in Washington zeigen.