Früher war sicher nicht alles besser, es war anders. Es gab weniger Regulatorik, das machte das Geschäft vielleicht einfacher, aber selbstverständlich auch anfälliger für schlechte Beratungsqualität. Das hat sich glücklicherweise geändert: Die Anforderungen, die notwendigen Qualifikationen und Voraussetzungen für den Beruf als Finanzcoach sind deutlich gestiegen. Ohne dauerhafte Weiterbildungen ist mein Job als Vermögensberater schlichtweg nicht mehr möglich. Die Digitalisierung hingegen hat meinen Beruf enorm erleichtert, sodass ich viele Aufgaben heute einfacher, schneller und flexibler lösen kann.
Ganz klar nein – leider. Die Finanzbildung der Deutschen wird aus meiner Erfahrung sogar eher schlechter. Die Masse an Informationen bringt hier keine Aufklärung, sondern sorgt meiner Meinung nach vor allem für noch mehr Verwirrung, Desinteresse oder schlichtweg für Überforderung.
Ich kann natürlich nur für unser Unternehmen sprechen und da sehe ich ganz klar eine durchweg hohe Beratungsqualität. Dies hat aber aus meiner Sicht weniger mit der Regulierung, sondern mit den Investitionen in unsere Berater zu tun. Die Deutsche Vermögensberatung investiert jedes Jahr einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in die Ausbildung ihrer Vermögensberater. Das schafft zuverlässige Qualität und Vertrauen, aber auch Selbstbewusstsein für jeden einzelnen Berater.
Ich glaube, es gibt keinen typischen Bundesbürger, zumindest was die finanziellen Investments angeht. Viele Deutsche investieren leider nach wie vor sehr konservativ und zurückhaltend. Gerade jetzt, wo auch wieder Sparzinsen von mehr als 3 Prozent bezahlt werden, liegen Milliarden auf Festgeld- oder Tagesgeldkonten oder Sparbüchern. Häufig wird hier verkannt, dass die Inflation die Zinsen komplett »auffrisst« und am Ende sogar zu einer Negativentwicklung des Guthabens führt.
Leider auch hier ein klares Nein. Ich stelle immer wieder fest, dass Themen wie Vollmachten, Patientenverfügungen oder Testament absolut vernachlässigt werden und auch hier viel Unwissenheit herrscht. So sind meine Kunden oft überrumpelt, wenn ich ihnen im Beratungsgespräch bewusst mache, dass ihr Erbe – sollte es nicht geregelt sein – durch einen bestellten Betreuer verwaltet und abgewickelt wird. Weise ich sie dann noch darauf hin, dass auch minderjährige Kinder – im Falle eines frühen Todes der Eltern zum Beispiel – ohne genaue Regelung ebenfalls einen durch den Staat bestellten Betreuer als Vormund akzeptieren müssen, sind viele fassungslos und erkennen, wie wichtig die Nachlassregelung tatsächlich ist.
Die allermeisten Erben sind natürlich nicht vorbereitet. Der Umgang mit Geld muss gelernt werden und bedarf auch einer gewissen Besonnenheit. Die Tatsache »über Nacht« auf einmal vermögend zu sein, führt ohne Coach und Unterstützung nicht selten zum absoluten Totalverlust oder sogar noch zur zusätzlichen Verschuldung.
Ja, leider. Die Sparvolumen nehmen ab und die Sparraten werden geringer. Hier ist es umso wichtiger, staatliche Förderungen, wie zum Beispiel die Betriebliche Altersvorsorge, im vollen Umfang zu nutzen. Leider sind auch hier sehr oft sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber schlecht bis gar nicht informiert. Dabei ist das Sparen über den Arbeitgeber unter Berücksichtigung der staatlichen Förderung einer der effektivsten Möglichkeiten, für das Alter vorzusorgen.
Die größte Herausforderung sehe ich in der Digitalisierung und der Verzahnung der jeweiligen Schnittstellen. Hier muss vieles noch besser ineinandergreifen und zwar ohne, dass der Datenschutz auf der Strecke bleibt. Ich hoffe darauf, dass Prozesse in diese Richtung noch überarbeitet und für Kunde und Vermögensberater vereinfacht werden. (L)