Aus dem Magazin

(K)eine Frage des Gehalts

Tobias Epple über die Mathematik hinter strategischem Vermögensaufbau

Die deutsche Wirtschaft schwächelt, die Lebenshaltungskosten steigen – und die finanzielle Sicherheit schwindet. Doch lohnende Investitionen sind nicht allein eine Gehaltsfrage, weiß Tobias Epple. Im Gespräch erklärt der Finanzierungsexperte und Content Creator, inwiefern der Traum vom Eigenheim heute überhaupt noch realistisch ist und ob aus Reichweite wirklich ein Geschäftsmodell werden sollte. 

3 Min.

18.08.2026

Herr Epple, wer heute Vermögen aufbauen möchte, hat mehr Möglichkeiten denn je. Trotzdem beschäftigen sich viele Menschen kaum mit ihrer finanziellen Zukunft. Woran liegt das, Ihrer Einschätzung nach, was hält sie zurück? 

Nach meiner Erfahrung ist es fast nie Desinteresse. Es ist Überforderung. Wer sich zum ersten Mal ernsthaft mit Finanzierung und Vermögensaufbau befasst, trifft auf eine Sprache, die er nicht spricht. Beleihungsauslauf, Annuität, Sondertilgungsrecht: Das sind keine Begriffe aus dem Alltag. Und weil kaum jemand gern zugibt, dass er etwas nicht versteht, verschiebt man das Thema. Der zweite Punkt begegnet mir in Erstgesprächen seit zwanzig Jahren immer wieder: die Annahme, Vermögensaufbau sei eine Frage des Einkommens. Viele glauben, sie verdienten schlicht zu wenig, um überhaupt anzufangen. Ich sehe das anders. Vermögensaufbau ist eine Frage der Mathematik, nicht des Gehalts. Entscheidend ist nicht, was oben hereinkommt, sondern, was dauerhaft verfügbar bleibt, wie Risiken eingeplant sind und was eine Finanzierung über zwanzig Jahre tatsächlich kostet. Drittens geht es um die Größe der Entscheidung. Die Angst vor dem Fehler lähmt mehr Menschen als jeder Zinssatz. Wer die eigenen Zahlen versteht, entscheidet sich nicht automatisch für den Kauf – aber er entscheidet überhaupt!   

Der Erwerb einer Immobilie gilt als ein Meilenstein auf dem Weg zur finanziellen Sicherheit. Aber ist der Traum vom Eigenheim heute überhaupt noch realistisch, welche Voraussetzungen müssen für die Finanzierung erfüllt sein? Realistisch ja, aber nicht überall, nicht für jeden und nicht zu jedem Zeitpunkt. Konkret sehe ich vier Voraussetzungen. Erstens die Nebenkosten: Erwerbsnebenkosten liegen typischerweise bei zehn bis zwölf Prozent des Kaufpreises, die Grunderwerbsteuer zwischen 3,5 und 6,5 Prozent. Sie sollte aus Eigenkapital kommen. Zweitens die Rate: Der häufigste Fehler vor dem ersten Bankgespräch ist es, dass Menschen ihre eigene Belastungsgrenze nicht kennen und sich stattdessen an der Summe orientieren, die eine Bank grundsätzlich finanzieren würde. Aber die Zahl, die eine Bank finanziert, ist nicht die Zahl, die Sie sich leisten können. Drittens die Rücklage nach dem Kauf: Wer bis zum letzten Euro finanziert und die Instandhaltung nicht einplant, für den kippt die Rechnung beim ersten größeren Schaden. Und viertens die Stabilität der Lebensplanung: Wer nicht weiß, ob er in drei Jahren noch am selben Ort arbeitet, kauft in der Regel zu früh. Beim Zinsumfeld sollte man ehrlich bleiben: Bei zehnjähriger Zinsbindung bewegen wir uns derzeit in einer Größenordnung von rund dreieinhalb bis vier Prozent; zuletzt mit leicht steigender Tendenz. Entscheidend sind die Stabilität der eigenen Lebensphase, die regionale Mietentwicklung, die Eigenkapitalsituation und ein ehrlicher Vollkostenvergleich von Miete und Eigentum über fünfzehn bis zwanzig Jahre. 

 

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