Der geplante Aufbau eines Wolfram-Bergwerks im sächsischen Pöhla steht vor einer entscheidenden Wendung: Ein Investor aus Singapur will das Projekt für rund 150 Millionen Euro übernehmen. Die bisher verantwortliche Saxony Minerals & Exploration AG (SME) konnte die Finanzierung nicht sicherstellen und sucht deshalb den Verkauf an die sogenannte Prime Group. Die Transaktion steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Bundeswirtschaftsministerium.
Im Zentrum steht ein Rohstoff, der in Europa als strategisch kritisch gilt. Wolfram wird unter anderem in der Rüstungsindustrie, der Elektronik sowie bei Hochleistungswerkstoffen eingesetzt und ist für zahlreiche industrielle Anwendungen unverzichtbar. Gerade vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und wachsender Abhängigkeiten von Importen – insbesondere aus China – gewinnt die Erschließung eigener Lagerstätten zunehmend an Bedeutung.
Das Projekt in Pöhla galt lange als Vorzeigevorhaben für eine mögliche Renaissance des Bergbaus in Deutschland. Bereits 2024 hatte das sächsische Oberbergamt die Genehmigung für den Bau eines neuen Bergwerks erteilt. Geplant ist, jährlich rund 400.000 Tonnen Erz zu fördern. Der Zugang zur Lagerstätte soll über eine etwa zwei Kilometer lange Rampe erfolgen, während die Aufbereitung der Rohstoffe in einer Anlage in Mittweida vorgesehen ist.
Doch der ambitionierte Zeitplan geriet früh ins Stocken. Eine Unternehmensanleihe brachte deutlich weniger Kapital ein als erwartet, wodurch zentrale Investitionen nicht umgesetzt werden konnten. Der Einstieg eines finanzstarken Investors könnte nun die notwendige Grundlage schaffen, um das Projekt doch noch umzusetzen. Nach aktuellen Planungen wird ein Förderbeginn frühestens für 2028 erwartet.
Die wirtschaftliche Dimension des Projekts ist erheblich. Neben der Schaffung von rund 120 Arbeitsplätzen wird langfristig ein Milliardenpotenzial gesehen. Gleichzeitig verweist der Fall auf ein strukturelles Dilemma: Während Europa seine Rohstoffabhängigkeit reduzieren will, erfolgt die Finanzierung entsprechender Projekte zunehmend durch internationale Investoren. Damit verschiebt sich die Kontrolle über strategische Ressourcen teilweise wieder nach außen.
Vor diesem Hintergrund steht das Bergwerk in Pöhla exemplarisch für eine größere Entwicklung. Steigende Rohstoffpreise, technologische Transformation und geopolitische Risiken treiben die Nachfrage nach kritischen Metallen nach oben. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Erschließung eigener Ressourcen zwar politisch gewollt ist, wirtschaftlich aber oft nur mit globalem Kapital realisierbar bleibt.
SK
Bildbeitrag: IMAGO / Rainer Weisflog
