Letzlich hängen alle Krisen seit der Finanzkrise 2008 miteinander zusammen. Mit der Politik des billigen Geldes haben die Notenbanken und Regierungen der westlichen Industrienationen spätestens seit 1987 versucht, alle Krisen zu bekämpfen.
Der Finanzkrise 2008 hätte eigentlich eine massive Wirtschaftskrise mit Massenarbeitslosigkeit und Insolvenzen folgen müssen. Allerdings ging die Geldpolitik 2008 in den Hyperdrive – die Schulden explodierten. Die kurz danach folgende Eurokrise hat die Entwicklung noch einmal beschleunigt.
Mit immer härteren Maßnahmen, seit etlichen Jahren jetzt sogar mit Negativ- und Strafzinsen, wurde das Wirtschaftswachstum erzwungen. In der aktuellen Pandemie ist nun noch die aktive keynesianische Fiskalpolitik durch Staatsinvestitionen und Helikoptergeld (= zum Beispiel Kurzarbeiter- und Arbeitslosengeld) hinzugekommen.
Wir haben also die normalen marktwirtschaftlichen Regeln durch immer härtere Staatsinterventionen ausgeschaltet. Die Krise hält sich also nicht an die normalen ökonomischen Regeln. Wir müssen tiefer graben, also auch die Politikwissenschaft und Soziologie berücksichtigen. Es geht nicht mehr nur um den Markt, sondern auch um die Macht.
Normalerweise folgen Wirtschaftskrisen dem Muster von Minsky oder Kindleberger, die ich im Buch erläutere. Verkürzt: Aufschwung, Boom, Blase, Platzen der Blase, Abschwung, Depression … und dann wieder ein neuer Aufschwung. Da wir aber durch die Planwirtschaft diesen normalen Zyklus außer Kraft gesetzt haben, ist die Produktivität in den Industrienationen weiter gesunken und die Schulden sind weiter gestiegen.
Bis vor einigen Jahren waren z. B. Finanzkrisen berechenbarer, weil man wusste, dass es erst mal schlimmer wird, bevor es dann wieder besser wird. Heute befinden wir uns in Dauerkrisen, weil Notenbanken die typischen Muster außer Kraft setzen. Und nach so vielen Jahren könnte man als Laie behaupten: Es scheint doch zu funktionieren.