Immobilien

Private Vermieter bremsen bei energetischen Sanierungen

Neue Umfrage zeigt: 59 Prozent planen derzeit keine Modernisierung von Heizung oder Dämmung

4 Min.

01.06.2026

Die energetische Sanierung des deutschen Mietwohnungsbestands kommt bei privaten Vermietern nur schleppend voran. Nach einer Umfrage der DI Deutschland.Immobilien AG und des Instituts der deutschen Wirtschaft planen 59 Prozent der privaten Vermieter derzeit keine Maßnahmen wie den Austausch von Heizungen oder zusätzliche Dämmung. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zurückhaltung deutlich gewachsen: Damals lag der Anteil noch bei 48 Prozent.

Die Zahlen sind für den Immobilienmarkt brisant. Private Vermieter stellen einen erheblichen Teil des Mietwohnungsangebots in Deutschland. Wenn sie energetische Modernisierungen aufschieben, betrifft das nicht nur die Klimaziele im Gebäudesektor, sondern auch Wohnkosten, Immobilienwerte und die künftige Vermietbarkeit älterer Bestände.

Fehlende Dringlichkeit statt reiner Kostenangst

Auffällig ist, dass hohe Kosten nicht der einzige und nicht einmal der wichtigste Grund für die Zurückhaltung sind. Laut der Umfrage nennen 64 Prozent der Vermieter fehlende Dringlichkeit als Hauptgrund gegen Sanierungen. 21 Prozent sehen zu wenig Nachfrage von Mietern, 17 Prozent verweisen auf hohe Kosten.

Das zeigt ein zentrales Problem der Wärmewende im Gebäudebestand: Viele Eigentümer erkennen den kurzfristigen Nutzen energetischer Sanierungen offenbar nicht klar genug. Solange Heizung funktioniert, Mieter bleiben und keine unmittelbare gesetzliche Pflicht greift, werden größere Investitionen häufig verschoben.

Unsicherheit bremst Investitionen

Hinzu kommen unklare Vorschriften, wechselnde politische Vorgaben und komplizierte Förderstrukturen. Gerade private Kleinvermieter verfügen oft nicht über eigene Fachabteilungen, die Gesetzesänderungen, Förderprogramme und technische Anforderungen laufend prüfen können. Was für große Wohnungsunternehmen Teil des Portfoliomanagements ist, wird für private Eigentümer schnell zur Überforderung.

Die Debatte um das Heizungsgesetz hat diese Unsicherheit verstärkt. Viele Eigentümer warten ab, welche Regeln tatsächlich gelten, welche Förderungen verlässlich bleiben und welche Technik sich langfristig rechnet. Für die energetische Sanierung ist diese Haltung problematisch, weil der Gebäudebestand langfristige Investitionsentscheidungen braucht.

Sanieren lohnt sich oft – aber nicht sofort sichtbar

Die Umfrage zeigt allerdings auch, dass energetische Sanierungen keineswegs grundsätzlich abgelehnt werden. Wer bereits investiert hat, tat dies vor allem aus wirtschaftlichen und praktischen Gründen. 53 Prozent nannten langfristige Energieeinsparungen, 41 Prozent die Zufriedenheit der Mieter und 38 Prozent die Wertsteigerung der Immobilie als Motiv. Ökologische Gründe spielten mit 31 Prozent eine geringere Rolle.

Für den Markt ist das entscheidend. Energetische Sanierung funktioniert bei privaten Vermietern offenbar dann, wenn sie als wirtschaftlich nachvollziehbare Investition erscheint. Moralische Klimappelle allein reichen nicht. Eigentümer müssen erkennen können, wann sich Maßnahmen rechnen, wie sie finanziert werden können und welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten.

Gebäudesektor bleibt Schlüssel für Klimaziele

Der Gebäudesektor gilt als einer der zentralen Bereiche für die Klimapolitik. Gebäude verursachen rund ein Drittel der CO2-Emissionen, wenn Bau, Betrieb und Energieverbrauch zusammengedacht werden. Zugleich stammt ein großer Teil des privaten Mietwohnungsbestands aus den Jahrzehnten zwischen 1949 und 1994 und ist energetisch entsprechend sanierungsbedürftig.

Genau deshalb ist die Zurückhaltung privater Vermieter mehr als ein Branchenthema. Wenn große Teile des Bestands nicht modernisiert werden, steigen langfristig die Risiken: höhere Heizkosten, schlechtere Energieeffizienz, sinkende Attraktivität älterer Wohnungen und zunehmender politischer Druck.

Zwischen Mieterschutz und Investitionsbedarf

Die Politik steht dabei vor einem schwierigen Ausgleich. Einerseits sollen Mieter vor übermäßigen Modernisierungskosten geschützt werden. Andererseits müssen Eigentümer genügend Anreize haben, in Heizung, Dämmung, Fenster oder Gebäudetechnik zu investieren. Wird die Kostenverteilung zu stark zulasten einer Seite verschoben, droht entweder soziale Überforderung oder weiterer Sanierungsstau.

SK

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