Der Wunsch nach privatem Grün ist in Deutschland so stark wie in kaum einem anderen europäischen Land – zugleich schwindet ausgerechnet hier der klassische Zugang dazu. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung von home24 und DataPulse Research. Demnach sagen 54 Prozent der Deutschen, dass ein Außenbereich bei der Wahl eines neuen Zuhauses oberste Priorität hat. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich an der Spitze.
Das steht in einem deutlichen Widerspruch zur Wohnrealität. Während im EU-Durchschnitt noch 51,4 Prozent der Menschen in Häusern leben, sind es in Deutschland nur 38,5 Prozent. Seit 2010 ist dieser Anteil hierzulande um 6,5 Prozentpunkte gesunken – einer der stärksten Rückgänge in Europa. home24 spricht deshalb von einer wachsenden Lücke zwischen dem Wunsch nach Garten und der tatsächlichen Wohnform.
Auffällig ist dabei, dass Deutschland selbst außerhalb der großen Städte vergleichsweise stark auf Wohnungen ausgerichtet ist. In ländlichen Gebieten leben hier nur rund 61 Prozent der Menschen in Häusern, während der EU-Durchschnitt bei 83 Prozent liegt. Das bedeutet: Selbst dort, wo in anderen Ländern Häuser dominieren, ist der klassische private Garten in Deutschland seltener geworden.
Die Studie zeigt zugleich, wie eng der Zugang zum Haus mit dem Einkommen verknüpft ist. Unter Haushalten mit weniger als 1.500 Euro monatlichem Nettoeinkommen lebt nur gut jede 5. Person in einem Haus. Erst ab einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 4.000 Euro kippt das Verhältnis: In dieser Gruppe wohnt mit 56 Prozent die Mehrheit im Haus.
Weil der klassische Garten für immer weniger Menschen erreichbar ist, gewinnen alternative Formen des privaten Außenraums an Bedeutung. Der Balkon ist dabei längst zum wichtigsten Ersatz geworden. Laut der Auswertung verfügen rund 67 Prozent der Haushalte über einen Balkon oder eine Terrasse – deutlich mehr als über einen eigenen Garten. Gerade in Städten wird dieser kleine Außenraum zunehmend zum Rückzugsort, zur Mini-Gartenfläche und zum privaten „grünen Wohnzimmer“.
Auch der Kleingarten bleibt begehrt, kann die Lücke aber nur begrenzt schließen. Insgesamt haben laut Studie nur etwa 7 Prozent der Bevölkerung Zugang zu einem Kleingarten. In westdeutschen Großstädten sind Wartelisten häufig lang, während ostdeutsche Städte wie Leipzig oder Dresden überdurchschnittlich viele Parzellen pro Einwohner aufweisen.
Interessant ist zudem die wirtschaftliche Dimension des Grüns. Wohnungen mit Balkon sind nicht nur gefragt, sondern auch teurer. In den 14 größten deutschen Städten kann ein Balkon laut der ausgewerteten Immowelt-Daten bis zu 40 Euro mehr Miete pro Monat kosten. Privater Außenraum wird damit zunehmend zu einem knappen Gut mit messbarem Preisaufschlag.
Im größeren Bild verweist die Studie auf einen europaweiten Trend. Der Vorsprung des Hauses gegenüber der Wohnung ist in Europa seit 2010 deutlich geschrumpft. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, könnte die Wohnung in den 2030er Jahren zur dominierenden Wohnform werden. Deutschland ist bei diesem Wandel bereits weiter als viele andere Länder – und sucht deshalb früher als andere nach neuen Formen, sich Natur nach Hause zu holen.
Die Studie von home24 ist damit weniger eine Garten- als eine Wohnstudie. Sie zeigt, wie sich Lebensqualität, Einkommen und Wohnformen verschieben – und warum das Bedürfnis nach einem Stück Natur im Alltag gerade dort besonders groß bleibt, wo es immer schwerer erreichbar wird.
SK
Bildbeitrag: Depositphotos / j.dudzinski
