Claus Vogt |
Die Titanic sinkt, aber das Orchester spielt weiter, und die meisten Gäste tanzen noch. So lässt sich die aktuelle Lage an den Aktienmärkten am besten beschreiben.
Als beispielhafte Illustration dieser Aussage zeige ich Ihnen den folgenden Chart des NYSE Composite Index. Dieser marktbreite Aktienindex umfasst alle der mehr als 1.900 an der New York Stock Exchange (NYSE) gehandelten Aktien und mehr als 90% der US-Marktkapitalisierung.
Was Sie hier sehen, ist eine mächtige Topformation, deren Entwicklung mehr als zwei Jahre gedauert hat. Die untere Begrenzung oder Nackenlinie dieser Formation wurde in den vergangenen Tagen klar und deutlich von den Kursen durchbrochen. Damit wurde ein eindeutiges Verkaufssignal gegeben und der Beginn einer zyklischen Baisse bestätigt. Außerdem sitzen inzwischen alle Anleger, die im August 2013 oder danach gekauft haben, auf Verlusten.
Die Dauer und das Ausmaß dieser Topformation deuten auf den Beginn einer besonders schweren Baisse hin. Das gilt auch für die Tatsache, dass sich ähnlich beeindruckende Topformationen nicht nur in anderen US-amerikanischen Indizes zeigen, sondern auch im Rest der Welt.
Damit bestätigt die Chartanalyse die sehr deutlichen Warnsignale, die mein Prognosemodell bereits seit Monaten gegeben hat, sowie das Rezessionssignal für die US-Wirtschaft, das ich in der aktuellen Ausgabe meines Börsenbriefes Krisensicher Investieren, die am 19. Januar 2015 erschienen ist, ausführlich besprochen habe.
Dazu sollten Sie noch zweierlei wissen: Erstens sind bisher alle Rezessionen mit zyklischen Aktienbaissen einhergegangen. Zweitens sind Aktienbaissen, die von Rezessionen begleitet wurden, besonders heftig ausgefallen.
Vor diesem Hintergrund sollten Sie sich mindestens auf eine Halbierung der Aktienkurse einstellen. Aufgrund der extrem starken Überbewertung der US-Börse, die sich zusammen mit den Rentenmärkten in einer gewaltigen Spekulationsblase befindet, sind sogar deutlich größere Kurseinbußen möglich.
Die meisten Anleger werden in den kommenden Monaten ein Déjà-vu-Erlebnis haben. Wie zuletzt im Jahr 2008 und zuvor am Neuen Markt werden sie auch jetzt wieder die Buchgewinne mehrerer Jahre schnell dahinschmelzen sehen und stattliche Verluste einfahren. Denn in einem Punkt gibt es an der Börse tatsächlich eine Garantie: Jedes Wertpapier muss zu jedem Zeitpunkt seiner Existenz von irgendeinem Anleger gehalten werden – im Extremfall auch dann noch, wenn es wertlos geworden ist. Allem anderslautenden Geschwätz zum Trotz fließt nämlich kein Geld in den Aktienmarkt oder aus dem Aktienmarkt heraus. Die Aktien wechseln nur ihren Besitzer. Wer heute verkauft, hält Cash statt Aktien. Ihm steht zwingend ein Käufer gegenüber, der jetzt kein Cash mehr hält, sondern Aktien besitzt.
Rezessionen und Baissen gab es schon immer und wird es immer geben. Das können weder Sie noch ich noch irgendwelche aufgeblasenen Planwirtschaftler und Zentralbankbürokraten ändern. Sie gehören einfach dazu.
Bild: Jerzy-Sawluk_pixelio.de