Die Zinswende ist endlich da! Ist sie das tatsächlich? Nach elf Jahren schickt sich die EZB an zum allerersten Mal wieder die Zinsen zu erhöhen, und zwar um 25 Basispunkte auf – jetzt halten Sie sich fest – 0 Prozent. Kein Witz. Allein diese Verzweiflungstat verdeutlicht, wie rat- und planlos die Währungshüter in Frankfurt doch sind. Sie haben weder der historisch hohen Inflation, noch den aktuellen Krisen etwas entgegenzusetzen. Die Munition wurde in den vergangenen Jahren komplett verschossen. Die Finanzkrise, die Eurokrise und zuletzt die Coronakrise haben die EZB immer weiter in die Ecke gedrängt. Parallel hat man angefangen, auch Nebenkriegsschauplätze zu beackern, wie die grüne Transformation mit dem Green Deal. Die Antworten auf jeder dieser Krisen waren immer dieselben: Geld drucken und Zinsen senken – und zwar bis ins Extreme.
Durch das stetige Geld drucken hat sich die Bilanz der EZB auf gigantische 8,81 Billionen Euro aufgebläht, was etwa 84 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) der Eurozone entspricht.
Das Resultat ist eine historisch hohe Inflationsrate von 8,1 Prozent in der Eurozone und 40 Prozent der Staatsschulden in der Bilanz der EZB. Parallel haben sich die Regierungen bis zur Halskrause verschuldet und benötigen die Inflation mehr, als es der EZB recht ist, um ihre Schulden auf Kosten der Bürger wegzuinflationieren. Denn die Bürger in der EU sind es, die die Zeche durch steigende Preise zahlen und denen die Kaufkraft immer weiter genommen wird. Die Vermögenspreisblase ist mit der Bilanz der EZB in den vergangenen Jahren Hand in Hand gestiegen. Für Aktien, Oldtimer, Kunstwerke oder Immobilien sind die Preise in Euro immer weiter angeschwollen und dies spiegelt den Kaufkraftverlust wider. Wer sich zum Beispiel vor zehn Jahren eine Immobilie gekauft hat, bekommt nun doppelt so viele Papierscheine für dasselbe Objekt – ob renoviert oder nicht. Die Immobilie ist weder auf die doppelte Größe gewachsen, noch hat sich das Grundstück in seiner Größe verdoppelt. Das verdeutlicht, dass sich die Kaufkraft der Papierscheine der EZB im Wert halbiert hat und wir alle de facto Kaufkraft verloren haben.
Wie immer hat die EZB zu spät und zu wenig reagiert. Sie kann die Zinsen gar nicht markant erhöhen, da sonst die Südstaaten Europas der Reihe nach umkippen würden. Die EZB steckt in der Zwickmühle – entweder die Inflation bekämpfen oder den Euro sowie die Südstaaten Europas retten und am Leben erhalten. Alles zusammen geht nicht. Es bahnt sich schon die nächste große Krise an. Ein Blick auf die Staatsanleihen im Euroraum verdeutlichen das Dilemma:
Schon jetzt klaffen die Staatsanleihen wieder weit auseinander. Italien muss aktuell 2,5 Prozent mehr Zinsen am Kapitalmarkt für neue Schulden berappen als Deutschland. Für ein Land mit einer Schuldenquote von nahezu 150 Prozent zum BIP ist jeder Prozentpunkt schmerzhaft.
In Deutschland sehen wir ein 50-Jahres-Hoch der Inflationsrate von 7,9 Prozent. Dies alles auf den Krieg in der Ukraine zu schieben, ist zu einfach. Schon davor hatten wir deutlich über 5 Prozent Inflation. In diesem Chart kann man gut erkennen, wie hohe Inflationsraten in der Vergangenheit mit steigenden Zinsen bekämpft wurden.